• 04-SEP-2018

Neues Sparprogramm? Statt Tagung in Seeheim, Übernachtung im Zelt!

Übernachtung im Zelt

Der Online-Vertrieb geht neue Wege – Welcome to Disruption! Bald gelebte Praxis?

Sie sind ein fester Bestandteil der Lufthansa Kultur: Abteilungsklausuren in Seeheim: Die wichtigsten Trends besprechen, auf Vergangenes zurückblicken, sich mit den Kollegen austauschen und, nicht zuletzt, gut essen und nach der Tagung komfortabel in den Lufthansa Seeheim Hotelzimmern übernachten. All das kennen viele Lufthanseaten – aber das könnte sich bald ändern – wenn sich ein neuer Trend entwickelt, der jüngst vom Online Vertrieb ins Leben gerufen wurde: Die Übernachtung im Zelt! 

Isomatte und Schlafsack statt Bett und Decke, Gemeinschaftsdusche statt eigenem Bad, kuscheliges Miteinander statt Privatsphäre: Nicht jeder Lufthansa Mitarbeiter wird diese Art der Übernachtung nach einer Abteilungsklausur erwarten. So ging es auch Lisa Weisbrod, Referentin im Vertrieb für Mobile Development. Ein Dienstag im August, 8.30 Uhr morgens, Weisbrod und 170 Online Sales Kollegen stehen vor dem LAC und warten auf den Bus nach Seeheim, so denken sie, zum zweitägigen Online Sales Camp. Dass das Wort „Camp“ dieses Jahr wörtlich zu nehmen ist, ahnen sie nicht. „Bevor wir, wie auch in den vergangenen Jahren, nach Seeheim fahren, findet noch eine Aktivität im Freien statt. Bringt daher bitte Flip-Flops, Handtuch, einen Kompass, Plastikbeutel für Wertgegenstände, Sonnenbrille und einen Hut mit“ hatte es in der Einladung geheißen. Nichts Ungewöhnliches“, fand auch Weisbrod. „Niemand von uns zweifelte daran, dass wir im Laufe des Tages nach Seeheim fahren würden“ – noch!  

Nach 15 Minuten Fahrt war der Veranstaltungsort erreicht: Der Chamäleon Beach am Mainufer, im schönen Flörsheim. Wetter und Stimmung waren toll. Bei einem leckeren Frühstück wurden die Kollegen von ihren Gastgebern, Sebastian Riedle, Leiter Online Vertrieb und Nils Hartgen, Projektleiter airline.com begrüßt. Alles lud zu einer lockeren Tagung in entspannter Atmosphäre ein. Nach ersten Gesprächen stieg nicht nur bei Lisa Weisbrod die Spannung, welche Außenaktivitäten die Gruppe denn nun erwarten würde. Plötzlich ertönte ein lautes Geräusch und hinter den Teilnehmern öffneten Riedle, Hartgen und – zur Überraschung der Teilnehmer – auch Heike Birlenbach, Leiterin Vertrieb Hub Airlines, die Tore zu einer großen Halle. Zum Vorschein kam ein rosa beleuchteter Raum mit Palmen, Liegestühlen, Sitzsäcken und einem Sandteppich. „Neue Location, gewohnter Ablauf“ dachte sich auch Weisbrod, als die Tagung mit den üblichen Rückblicken begann. Bis plötzlich – mitten im nostalgischen Video-Clip eine Stimme verkündete: „Dieses Jahr wird alles anders  – wir bleiben beide Tage hier. Welcome to Disruption!“. Verwirrt blickten sich die Online-Vertriebler an – „Cooler Veranstaltungsort, aber wo werden wir hier übernachten? Die Tagung geht ja zwei Tage lang.“ Die Verwirrung wich aber schnell der Zuversicht, dass das Orga-Team sicher genügend Hotelzimmer in der Nähe organisiert habe. 

Also widmete man sich wieder den Inhalten, den Herausforderungen, die gleich drei große Projekte im Online-Vertrieb mit sich bringen: die Einführung einer neuen Buchungsplattform, einer Webseite für die Hub Airlines und die Entwicklung der Lufthansa Group App. In Workshops und Vorträgen entfaltete sich das übliche Tagungsprogramm, welches die Teilnehmer auf den Wandel ihrer Arbeit vorbereitete. Letzter Agendapunkt war eine Start-up Story. Auf die Bühne trat ein junger Mann, in Jeans und T-Shirt, dessen lockige, mittellange Haare für den Aufbruch zu stehen schienen, den er verkörperte. Es war Jan Portheine, Gründer eines Start-up Unternehmens aus den Niederlanden: Sein Produkt: Pappzelte! Da schwante es auch Lisa Weisbrod: „Pappzelte-Guru, Veranstaltung am Main-Ufer in Flörsheim, große Wiese: Das konnte nichts Gutes bedeuten!“ Welcome to Disruption!

Portheine berichtete, dass er gerne auf Festivals gehe und ihn die großen Müllberge immer ärgerten. Da habe er sich entschieden, zu hundert Prozent recycelbare Zelte zu entwickeln, die auch noch wasserfest seien. „Schön und lobenswert – für die Umwelt und für einen Urlaub in der Sonne mit Familien und Freunden – aber doch nicht für eine Lufthansa Group Tagung mit bekannten und weniger bekannten Kollegen, wasserfest hin oder her“, fuhr es Weisbrod durch den Kopf. Der Gedanke an das gemütliche Bett in Seeheim wurde ihr da fast melancholisch. So richtig mochte sie es dennoch nicht glauben: „Das wird doch alles nur ein Scherz sein oder wir sind Teilnehmer bei der versteckten Kamera.“

Doch da hatte sie sich gewaltig getäuscht! Gerade die Übernachtung im Zelt stand im Mittelpunkt der Tagung. „Wir wollen nicht nur über einschneidende und immer schneller werdende Veränderungen reden, sondern diese auch wirklich leben!“ betonte Riedle, als er die Mitarbeiter für die Aufbauarbeiten motivierte. Frei unter dem Motto der Klausur „Welcome to Disruption!“ging es also an die Arbeit, denn die Zelte mussten ja schließlich erst errichtet werden. 

Und siehe da, Lisa Weisbrod und die anderen Teilnehmer fanden Gefallen an der Aufgabe und der ungewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeit. Begeistert wurde aufgebaut und eingerichtet. Kollegen taten sich zusammen und halfen sich gegenseitig, die Einmannzelte aufzustellen. Mit Kreide und Farbe gestalteten sie ihre Zelte ganz persönlich nach ihrem Geschmack. Bei Getränken und Gute-Laune-Musik verteilten Heike Birlenbach und Team Luftmatratzen, Schlafsäcke, Lufthansa First Class Schlafanzüge, SWISS Kissen und Decken und Austrian Amenity Kits. Weisbrod hatte Seeheim ganz vergessen, als sich die Teilnehmer nach einem langen Tag in ihren liebgewonnenen Zelten zur Ruhe begaben und an die schönen Abendstunden und den gemeinsamen Zeltaufbau dachten – nicht ganz ohne Stolz, sich darauf eingelassen zu haben. 

Und vielleicht – auch wenn man das in Seeheim nicht gerne hören wird – wird es ja in Zukunft mehr Lufthansa Group Tagungen mit Zeltübernachtung geben – und dies gewiss nicht aus Kostengründen.