• 15-MAY-2018

Flugzeuge shoppen für die Lufthansa Group

Jörg Hennemann

Vergangene Woche hat der Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa AG der Bestellung von bis zu 16 weiteren Flugzeugenzugestimmt. Jörg Hennemann, Head of Commercial Fleet Management Lufthansa Group, erklärt im Interview die aktuelle Flugzeugbestellung und welche Strategie dahinterliegt 

Herr Hennemann, Flugzeugeinkauf hört sich spannend an.
Jörg Hennemann: Stimmt. Es ist sogar sehr spannend. Schließlich haben wir es hier mit dem deutlich größten Teil der Lufthansa Group-Investitionen zu tun und das betrifft direkt das Kerngeschäft der Airlines. So trivial, wie Shoppen im Internet, ist Flugzeuge einkaufen nicht. . Es ist sehr komplex und zieht sich durchaus über viele Monate. Dabei steckt vielmehr dahinter als der Kaufvorgang selbst Zuvor wird die Spezifikation festgelegt. Vereinfacht ausgedrückt ist das so, wie die Konfiguration eines Autos vor dem Kauf.

Aber woher wissen Sie, welche Flugzeuge wir benötigen und in welcher Anzahl?
Vor einem Flugzeugkauf und der Spezifikation steht immer der Markt- bzw. unser Flottenbedarf, verknüpft mit der generellen Frage, wieviele Flugzeuge wir eigentlich in den nächsten zehn Jahren brauchen. Wenn das Flugzeug dann beschafft ist, bleibt es über viele Jahre bei uns und muss kaufmännisch gemanaged werden. Für diese Prozesse übernehmen wir beim Commercial Fleetmanagement die Verantwortung für die gesamte Lufthansa Group.

Haben Sie dabei ein persönliches Lieblingsflugzeug?
Mein Lieblingsflugzeug ist das, was bei möglichst vielen Group Airlines flexibel eingesetzt werden kann. Die Zukunft der Lufthansa Group-Flotte muss aus meiner Sicht darin liegen, schneller und flexibler auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren, sowohl auf Chancen, als auch auf Risiken. Dazu stellen wir bei der Flottenstrategie die Weichen.

Wie sieht die zukünftige Flottenstrategie der Lufthansa Group aus?
Die Flottenstrategie der Zukunft muss neue Rahmenbedingungen schaffen, damit wir schneller und flexibler auf Veränderungen reagieren und die Vorteile des „Multi-Hubbings“ noch besser nutzen können. Die Flottenstrategie ist damit klar Teil  der Konzernstrategie – Konsolidierung, Flexibilisierung und Digitalisierung. Wir haben schon viel erreicht, zum Beispiel werden wir ab 2019 alle Airbus A320  für die Lufthansa Gruppe standardisiert ausgeliefert bekommen. Die Liegezeiten u.a. für den Kabinenumbau bei einem Wechsel von einer Konzern-Airline zu einer anderen können so deutlich reduziert und damit auch die Umbaukosten mindestens halbiert werden. Im Langstreckenbereich haben wir ähnliches vor. Bei der Kabinenkonfiguration der neuen Boeing 777-9 wird ebenfalls der Aspekt der Standardisierung  zu Grunde gelegt.

Die Lufthansa Group hat aktuell sage und schreibe 738 Flugzeuge aller Art und 192 Flugzeuge auf der Bestellliste. In Summe wären das mehr als 900 Flugzeuge.
Leider nicht ganz, denn es gehen auch Flugzeuge über die Jahre wieder raus, auch wenn wir allein im vergangenen Jahr 100 Flugzeuge dazubekommen haben. 36 alte Flugzeuge haben uns andererseits auch verlassen. Es ist viel Dynamik in der Flotte, aber sicher mit einer klaren Tendenz zu Flottenwachstum.

Der Aufsichtsrat hat diese Woche unter anderem grünes Licht für eine Bestellung von zwei weiteren Boeing 777-300ER für SWISS und zwei Boeing 777 Frachter gegeben. Nach welchen Kriterien richtet sich so eine Bestellung? Bekommen die Airlines Flugzeuge, die am lautesten „Hier“ schreien?
Nein, ganz und gar nicht. Für den Kauf von Flugzeugen werden verschiedene Aspekte berücksichtigt, wie die Markt- und Wettbewerbsentwicklung, natürlich unser verfügbares Budget und die Performance der Konzerngesellschaft. Dabei muss klar priorisiert werden, was oft keine einfache Diskussion ist.

Können Sie das etwas konkreter beschreiben?
Die SWISS zeigte in den vergangenen Jahren deutlich, dass sie nachhaltig erfolgreich gewirtschaftet hat. Wir tun gut daran, unser Geld dort einzusetzen, wo Kosten und Qualität die besten Voraussetzungen für profitable Investitionen bieten. Die beiden Boeing 777-300ER sind ganz klar Wachstumsflugzeuge, um das Marktpotenzial zu nutzen, was wir in der Schweiz erkennen.

Auch Lufthansa Cargo weist zurzeit gute Ergebnisse aus. Es hat sich bestätigt, dass sich sparsamere Flugzeuge in der Wirtschaftlichkeit deutlich positiv auswirken. Mit den beiden Boeing 777 Frachtern wollen wir weiter in neuere Technologie investieren und ältere MD11F ablösen.

Lufthansa hat jetzt auch wieder Airbus A320ceo, also A320 mit der herkömmlichen Technologie, bestellt. Warum das?
Wir haben in den nächsten Jahren zahlreiche Auslieferungen von A320neos vor uns – alleine nächstes Jahr sollen 23 Flugzeuge dieses Typs zur Lufthansa Gruppe stoßen. Leider haben sich in der Vergangenheit die Auslieferungen der A320neo öfters geändert. Daher planen wir die jetzt bestellten A320 ceos noch in diesem Jahr einzusetzen und so in Zukunft mehr Flexibilität zu haben.