• 29-OCT-2018

Digitale Schulung

Virtual reality headset 2
  • 500 Flugschüler jährlich sollen in den kommenden Jahren für die Lufthansa Group ausgebildet werden. Erstmals nach einem neuen, digitalen Ausbildungskonzept

Die Situation wirkt real, wie der Blick aus einem echten Cockpit auf eine echte Landschaft. Aber Lukas Thiehoff sitzt in keinem Cockpit. Und er blickt in eine Brille: eine Virtual-Reality- oder VR-Brille. Thiehoff ist Flugschüler an der European Flight Academy (EFA) in Goodyear, im amerikanischen Bundesstaat Arizona. Mit Hilfe von Virtual Reality (VR) werden er und seine Kollegen künftig auf ihre ersten Überlandflüge vorbereitet werden – wie in einem mobilen Simulator.

30 Minuten dauert der „Flug“ durch ein 360-Grad-VR-Video inklusive interaktiven Elementen. „Alles wirkt extrem real, weil die Brille auf meinen Blick und meine Bewegungen reagiert und mir immer genau das zeigt, was sich an den Stellen befindet, die ich gerade ansehe“, beschreibt Thiehoff die Simulation mit der VR-Brille von Samsung Gear VR. Das Trainingsmodul ist Teil eines Pilotprojekts in Goodyear. Thiehoff absolviert derzeit die viermonatige Praxisphase seiner fast zweijährigen Pilotenausbildung, bei der auch Überlandflüge unter Sichtflugbedingungen trainiert werden.

Er gehört zu den 500 jungen Männern und Frauen, die in diesem Jahr zum Verkehrspiloten für die Lufthansa Group geschult werden. Nach einem neuen Konzept. Neu und vor allem: digital. Das Brüten über Flugplänen, Luftraumkarten und Taschenrechnern soll bald der Vergangenheit angehören. Die künftigen Piloten erhalten bereits zu Beginn der Ausbildung ein iPad mit allen theoretischen Schulungsinhalten sowie diversen fliegerischen Apps wie beispielsweise ‚ForeFlight‘ für aktuelle Wetter- und Flugroutenkarten oder "MBPCalculator" zur Berechnung der Start- und Landegewichte. „Die Nutzung von iPads erspart unseren Flugschulen nicht nur tonnenweise Papier während der gesamten Ausbildung und schont damit die Umwelt“, sagt Stefan-Kenan Scheib, Trainingsleiter an der EFA.„Zudem sind Schulungsinhalte nach jedem Update auf dem aktuellsten Stand und müssen nicht mehr mühsam händisch aktualisiert werden. Und: Es senkt die materiellen Ausbildungskosten um rund 10 Prozent pro Flugschüler.“

Neue Flugzeuge, neue Schulungen

Neu ist auch, dass die Flugschüler seit einigen Monaten in neuen Schulungsflugzeugen trainieren dürfen. Erst kürzlich hat Lufthansa Aviation Training 25 Flugzeuge vom Typ Cirrus SR20 und 5 vom Typ DA-42 erworben, alle ausgestattet mit modernsten Avionik-Instrumenten in einem Glas-Cockpit, ähnlich wie in einem Großraumflieger. „An unseren Flugschulen werden die Flugschüler nicht nur auf das Fliegen an sich vorbereitet, sondern vor allem für das Fliegen als Pilot bei kommerziellen Airlines. Dafür ist es elementar wichtig, frühzeitig den Umgang mit den Instrumenten nach festgelegten Airline-Prozeduren zu trainieren. Die neuen Schulungsflugzeuge bieten die bestmögliche Simulation für den Pilotenalltag“, erläutert Scheib.

Dabei hilft die technisch größte Neuerung: die VR-Brillen. Sie sollen die Qualität und die Effektivität des Trainings verbessern. „Durch das regelrechte Eintauchen in die virtuelle Umgebung können die Piloten Zusammenhänge schneller erfassen und das Stresslevel reduzieren“, sagt Scheib.

Als Flugschüler Thiehoff im Sommer die VR-Brille das erste Mal testweise aufsetzen durfte, hatte er seinen ersten Soloflug in der Wüste Arizonas allerdings schon erfolgreich hinter sich gebracht. „Das war ziemlich anspruchsvoll. Mit 17 Knoten lag der Wind an diesem Tag am Limit“, erzählt er. „Eine visuelle Vorbereitung mit einer VR-Brille hätte mir bestimmt zusätzlich Sicherheit gegeben“.

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Mehr Informationen zu der neuen, digitalen und konzernweit einheitlichen Ausbildung der Lufthansa Group und zur Bewerbung finden Sie hier.