• 04-JUL-2018

Spotter's paradise

Flügel, die die Welt bedeuten

Lufthansa hat sieben erfolgreiche Planespotter nach Toulouse eingeladen, um den „Customer Acceptance Flight" der elften A350 zu begleiten

Der Duft von Neuwagen strömt in die Nase. Bei jedem Schritt knistert die zum Schutz im Gang ausgelegte Plane. Es hat etwas Magisches, hier bei Airbus in Toulouse die nagelneue A350 zu betreten. Auch das heutige Programm erinnert an eine Testfahrt vor dem Autokauf. Alles wird während des „Customer Acceptance Flights“ auf Herz und Nieren geprüft. Es ist der zweite Flug der „Karlsruhe“, heute wird sie durch die Crew in die Nähe der Flugbetriebsgrenze gebracht. Bereiche, die ein Lufthansa Passagier normalerweise nie erlebt. Auch wir sind keine normalen Passagiere, sondern begleiten mit einer Gruppe von erfolgreichen Planespottern aus dem deutschsprachigen Raum diesen einmaligen Flug. Wer jetzt bei Planespottern an die Leute denkt, die immer mit ihren Teleobjektiven am Flughafen hinter dem Zaun stehen, der hat Recht. Allerdings nur teilweise.

Heutzutage gehört zum Spotten mehr als „nur“ eine Kamera und ein Aussichtspunkt am Flughafen. Social Media Plattformen wie Instagram ermöglichen Spottern, ihre Fotos mit einer weltweiten Community von „Airplane Afficionados“ zu teilen. Heute dürfen Kathy, Phil, Sinan, Sebastian, Vincent, Leo und Emmanuel einen Blick hinter die gewohnten Abflugszenarien werfen. Unsere Mission lautet: neue Perspektive für Spotter-Objektive. Mit dabei sind heute nicht nur die Sieben, sondern indirekt Tausende von A350-Fans, die über Instagram Stories, eine Art persönlichem TV Kanal mit zehn Sekunden-Beiträgen, durch sie quasi live verfolgen, was heute in französischem Luftraum bei uns passiert. Einige tracken uns sogar auf Flightradar – „Fernspotting“ ist das neue Fernsehen.

Kamera kaufen, Spotter sein? So einfach ist es nicht. Man braucht nicht nur den Blick für das richtige Bild und eine gute Kamera, sondern auch Fotobearbeitungskenntnisse und besonders wichtig: Soft Skills. Obwohl sie sich keine 24h kennen, herrscht in der bunt gemischten Gruppe sofort Teamgeist, super Stimmung und Freude an den guten Motiven und Respekt vor der Arbeit der anderen. Keine Drängelei, kein Neid. Sogar die Crew meldet zurück, dass sich so einige Journalisten etwas von dem konstruktiven und positiven Arbeitsumfeld abschauen können.

Arbeitsumfeld beschreibt die Atmosphäre gut. Denn auch wenn natürlich der Spaß an erster Stelle steht, ist Influencer sein auch harte Arbeit. Alle Teilnehmer, die entweder noch zur Schule gehen oder Vollzeitjobs haben, stecken in ihrer Freizeit viel Liebe, Zeit und noch mehr Herzblut in ihre Fotos. Das merkt man an dem angeregten Austausch, an den Komplimenten über die Posts der anderen, und an dem Fachsimpeln über Brennweiten und Belichtungszeiten. Einige bieten sogar kostenlos Tutorials zum Fotobearbeiten oder die besten Plätze zum Spotten auf ihren Social Media Profilen an. Ich merke, in der Community gilt: Sharing is caring.

PLING. Ein Geräusch, das man kennt. Die Signs sind aus und die Spotter schwärmen aus auf der Jagd nach der perfekten Perspektive. Ich unterhalte mich mit Lufthansa A350 Flottenreferent Thomas Wagner. Thomas überprüft unter anderem auch die Geräusche. „Woher weiß man denn, ob ein Flieger richtig klingt? Gibt es da Audiotrainings?“, frage ich. Die gibt es nicht, Expertise durch jahrelange Erfahrung, ist Thomas‘ Antwort.

„V alpha max“, kommt als Ansage aus dem Cockpit. Was kryptisch klingt, ist die Geschwindigkeit bei maximalem Anstellwinkel. „Wir fliegen so langsam, dass uns locker eine Cessna überholen könnte“, erklärt Flugtestingenieur Matthias Queck. Die Cockpit Crew besteht bei einem Acceptance Flight immer aus einem Lufthansa-Airbus-Pilotenteam – denn die „Karlsruhe“ gehört auf dem Papier noch Airbus. Für Lufthansa Kapitän Andreas Jasper und Senior First Officer Andreas Eder ist es nicht der erste Acceptance Flight, aber das macht es nicht weniger besonders, erzählt das eingespielte Team aus München.

Nach einem simulierten Go-Around sind wir schneller als gedacht zurück. Während die Spotter am liebsten niemals aussteigen würden, geht die Acceptance Flight Crew nach knapp vier Stunden anspruchsvoller Arbeit in Richtung Mittagsessen, wo sie mit einer Engelsgeduld mit den Spottern fachsimplen und Antworten auf alle Fragen geben, die den Jungs und Kathy unter den Fingern brennen. So unterschiedlich alle am Tisch sind, so klar wird auch, was alle verbindet: Kerosin im Blut.

Wir verabschieden uns von den Airbus-Kollegen und schon geht es durch die Security Richtung Flieger. Ich schließe die Augen, während unser Airbus A320 Kurs auf Frankfurt nimmt und höre, wie die Spotter ihre Kameras verstauen und die Laptops aufklappen, denn nach dem Foto ist vor dem nächsten Post.