Elektronen buchen für Lufthansa

Im März 1967 nahm der damalige Frankfurter Bürgermeister Dr. Wilhelm Fay per Knopfdruck erstmalig das elektronische Platzbuchungssystem der Lufthansa in Betrieb.

Bereits im Jahr 1957 gab es erste Überlegungen der Lufthansa Buchungen elektronisch abzuwickeln. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Reservierungswünsche der Passagiere an die Buchungsstelle telegrafiert. Nun wurde anhand von Kontrolllisten der Reservierungswunsch überprüft und eine Antwort zurückgeschickt. Sobald ein bestimmter Flug ausverkauft war, stoppte die Frankfurter Zentrale oder ein zuständiges Stadtbüro den weiteren Verkauf. Dieses Verfahren war mit einem hohen Zeit- und Personalaufwand verbunden.

1962 wurde das neue von Lufthansa und Siemens entwickelte elektronische Platzbuchungssystem auf der Hannover Messe vorgestellt. Wie funktionierte nun das elektronische Platzbuchungssystem? In den Stadtbüros und an den Flughäfen gab es deutschlandweit über 200 Buchungsplätze. Sie waren mit einem Gerät zur Dateneingabe, Datenspeichern und einer Fernschreibmaschine ausgestattet. Der Lufthansa Mitarbeiter konnte direkt während des Kundengesprächs alle relevanten Daten zur Flugbuchung eintippen. Waren Flugdatum, gewünschte Klasse, Sitzzahl, Flugroute, Flugnummer und Name des Fluggastes eingegeben, musste der Mitarbeiter nur noch auf den Startknopf drücken. Die Daten wurden anschließend an eine von über 40 von der Bundespost gemieteten Fernschreibleitungen an die Siemens-Datenverarbeitungsanlagen 3003 in der Frankfurter Lufthansa Basis übertragen. Umgehend erhielt der Kunde Antwort, ob sein gewünschter Flug noch zur Verfügung steht, wodurch lange Wartezeiten entfielen.

War ein Flug bereits ausgebucht, unterbreitete der Rechner Ersatzangebote, entweder in einer anderen Buchungsklasse oder auf einem anderen Flug. Eine Besonderheit des Systems ließ auch Sonderwünsche der Passagiere zu.

Und wie sieht es heute aus?

Lufthansa hat das eigene Buchungssystem Anfang der 90er Jahre eingestellt und die Funktionalitäten an Amadeus übergeben. Amadeus betreibt mittlerweile eines der führenden IT-Reservierungssysteme für die gesamte Reisebranche und wird weltweit von Reisebüros, Internet-Buchungsplattformen, Firmen-Buchungsmaschinen und mittlerweile über 120 Airlines eingesetzt. Im Gegensatz zu den Anfängen gibt es nicht mehr ein Zentralsystem, sondern eine komplexe  System-Landschaft, die sämtliche Aspekte rund um den Buchungsprozess abdeckt. Aufgrund des technologischen Fortschritts werden heute Daten verarbeitet, an die zu früheren Zeiten niemand gedacht hat. Das reicht vom Angebot von Sitzplatzreservierungen über die Abbildung diverser Kooperationsmodelle (z.B. Codeshare) bis zur hoch-komplexen Kalkulation, zu welchen Bedingungen (Preis, Prognose, Auslastung, etc.) eine Buchung akzeptiert wird. Da alle Lufthansa Group Airlines mittlerweile auf der Amadeus Altea Plattform integriert sind, wurden die Voraussetzungen geschaffen, um die Prozesse innerhalb der Lufthansa Group zu harmonisieren.