Wegpunkte zeigen Piloten, wo es langgeht

Einer wurde sogar nach einem Lufthanseaten benannt

Quelle: EmojiOne

Es gibt weniges, was Sportfans nicht tun würden, um ihre Verehrung für ihre Lieblingsmannschaft auszudrücken: Trikots, Schals, überdimensionierte Aufkleber auf dem Auto. Aber die Idee von einigen Mitarbeitern der amerikanischen Flugsicherung schlägt alles. Sie setzen einem Baseball-Team ein Denkmal am Himmel. „MARNR“, was als Kurzform für die „Seattle Mariners“ steht, heißt seitdem ein Punkt weit oben über Seattle. Genauer gesagt ein Wegpunkt – eine elektronisch festgelegte Markierung, an der sich Piloten auf ihrem Flug orientieren können – ähnlich wie Schiffe mit Positionsdaten.

Viele von ihnen tragen Namen. Gewöhnliche wie „Horst“ oder „Boris“. Prominente, wie den vom Dschungelbuch-Bär „Baloo“. Oder auch mal den Namen von jemandem, der ohnehin schon immer einen Platz im Himmel hatte: „Vater“ und „unser“.

Wie es dazu kommt, weiß Josef Anschau. Der 55-jährige Kapitän kümmert sich um alle Navigationsbelange bei Lufthansa und der Lufthansa Group – und ist ein Experte in Sachen Wegpunkte.

Ursprünglich, so erläutert er, wiesen Funksignale entlang der Luftstraßen den Weg von einem Airport zum anderen, sogenannte Funkfeuer. Später verwendete man Koordinaten: 13-stellige Zahlen- und Buchstabenreihen, die unter anderem Längen- und Breitengrad angeben. „Das aber war sehr lang und barg beim Sprechen per Funk das Risiko für Missverständnisse“, sagt Anschau. Heute existieren die Koordinaten meist nur noch unsichtbar im Hintergrund. Stattdessen setzen Wegpunkte eindeutige Markierungen. Sie definieren An- und Abflugrouten sowie Luftstraßen. Allein im Lufthansa-Streckennetz gibt es 31.000 „Way Points“ im Flughafenbereich, die „terminalen Wegpunkte“, und 57.000 auf der Strecke, die „enroute way points“.

Was nicht passt, wird passend gemacht

Die Wegpunkte gibt es einesteils als Kombination aus Buchstaben und Zahlen, sogenannte „tactical way points“, andernteils als aussprechbare Fünf-Buchstaben-Wörter, die „five letter pronouncable way points“. Vergeben werden die Namen von der ICAO, der internationalen Zivilluftfahrtsorganisation im kanadischen Montreal. Vorschläge für Namen können die Flugsicherungen bei ihren jeweiligen Regionalbüros einreichen. Die einzige Voraussetzung: Die Namen müssen immer aus fünf Buchstaben bestehen. „Und was nicht passt, wird passend gemacht“, sagt Anschau. Dann fallen eben ein paar Vokale weg. Wie im Fall der Seattle Mariners.

Gute Zeiten also für alle, die sich selbst schon immer mal ein Denkmal am Himmel setzen wollten? Da muss Anschau schmunzeln: „Den eigenen Namen vorzuschlagen ist unüblich. Nach ungeschriebenen Gesetzen ist es eher eine nette Geste der kollegialen Anerkennung.“ Eine solche Anerkennung erhält demnächst übrigens auch ein Lufthanseat: Mario Bakalov. Weil er sich als Verbindungspilot seit vielen Jahren für ein gutes Miteinander zwischen Lufthansa und der bulgarischen Flugsicherung einsetzt, wurde er letztes Jahr von den Bulgaren mit dem Wegpunkt „BAKLO“ ausgezeichnet.

Webhinweis:
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