Seit 50 Jahren fliegt Kassel mit dem Kranich

Lufthansa-Flugzeuge als „fliegende Botschafter“ in ganz Europa unterwegs

Vor 50 Jahren ging Kassel in die Luft: Am 12. September 1966 wurde eine Lufthansa-Boeing 727-030 mit dem Kennzeichen D-ABIV auf den Namen der Stadt Kassel getauft. Die feierliche Taufzeremonie fand auf dem Flughafen Frankfurt statt. Der damalige Oberbürgermeister der Stadt Kassel, Dr. Karl Branner, begoss die Flugzeugnase des dreistrahligen „Europa-Jets“ mit Sekt und besiegelte damit die Patenschaft zwischen Lufthansa und der Stadt Kassel. Nach der Zeremonie gab es für die geladenen Gäste einen Rundflug mit dem frischgetauften Patenflugzeug, der von Frankfurt aus nach Nordhessen und auch über Kassel führte. Dabei flog die Maschine über den Herkules im Habichtswald und das Stadtgebiet, bevor sie eine Viertelstunde später wieder in Frankfurt aufsetzte. Aufgrund der niedrigen Flughöhe staunten die Kasseler Bürger nicht schlecht über das große Flugzeug. Andere waren besorgt und glaubten an einen Notfall – dies ließ sich zum Glück mit dem Hinweis auf den frisch getauften fliegenden Botschafter aufklären.

„Wir freuen uns, dass wir seit fünf Jahrzehnten über eine Flugzeug-Patenschaft mit  Kassel verbunden sind. Die Maschinen sind stets fliegende Botschafter ihrer Heimat und tragen den Namen buchstäblich durch ganz Europa“, so Florian Gränzdörffer, Lufthansa-Konzernsprecher. „Die Patenschaft signalisiert unsere Verbundenheit mit Kassel und der nordhessischen Region, woher auch viele Lufthansa-Passagiere kommen. Wir wünschen der „Kassel“ noch „many happy landings!“

„Kassel hat eine lange Luftfahrtgeschichte“, erklärt Oberbürgermeister Bertram Hilgen. So band die 1926 gegründete Lufthansa den Flugplatz Kassel-Waldau in ihr Strecknetz ein. Mit Prag und Amsterdam gab es damals sogar zwei internationale Verbindungen. Und auch heute sei Kassel eng mit der Luftfahrt verbunden. Zum einen durch den Kassel Airport. „Die Wirtschaftsregion Kassel verfügt aber auch über eine Vielzahl erstklassiger luft- und raumfahrttechnischer Akteure, die mehr als 3000 Menschen beschäftigen“, erklärt Hilgen. Und das Competence Center Aerospace (CCA) unter dem Dach der Wirtschaftsförderung Region Kassel bietet ein regionales Netzwerk für die Luft- und Raumfahrt-Branche. „Dass inzwischen ein Lufthansa-Airbus den Namen der Stadt Kassel trägt ist ein Sinnbild für diese besondere Verbindung zwischen unserer Stadt und der Luftfahrt“, sagte Hilgen.      

Lufthansa war der europäische Erstkunde der Boeing 727, die eine Zeitlang lang das meistgebauten Düsenverkehrsflugzeuge der Welt war, bevor sie später von der Boeing 737 abgelöst wurde. Maschinen wie die „Kassel“ verfügten damals über eine seitliche Frachtluke. Beförderten die Jets tagsüber Passagiere, so flogen sie nachts Luftpost und Fracht. Die Umrüstung vom Passagier- zum Frachtflieger nahm dabei rund zwei Stunden in Anspruch. Die „Kassel“ schied im Januar 1975 aus der Lufthansa-Flotte aus. Im gleichen Monat ging die Flugzeug-Patenschaft auf eine Boeing 727-230 mit dem Kennzeichen „D-ABKG“ über. 

Am 19. Juni 1990 wechselte die Patenschaft erstmals auf ein Modell des Herstellers Airbus. Seit diesem Datum fliegt ein Airbus A320 mit dem Kennzeichen „D-AIPE“ das Wappen und den Namen der Stadt Kassel zu Zielen in ganz Europa. Die täglich wechselnden Crews kennen die Maschine allerdings eher unter dem Namen  „Papa-Echo“, also die letzten beiden Buchstaben der Registrierung nach dem internationalen Fliegeralphabet buchstabiert. Bisher war die „D-AIPE“ auf 50.785 Flügen rund 65.000 Stunden in der Luft und hat ihre Passagiere sicher und unfallfrei ans Ziel gebracht. 

Im aktuellen Lufthansa-Airbus „Kassel“ finden bis zu 168 Passagiere Platz. Bei einem maximalen Startgewicht von 73 Tonnen und einer Reisegeschwindigkeit von 840 km/h fliegt die „D-AIPE“ bis zu 3.000 Kilometer weit. Die maximale Flughöhe des Jets liegt bei rund 12.000 Metern. Am Tag des 50jährigen Jubiläums hebt die „Kassel“ um 6 Uhr in Prag ab und fliegt nach Frankfurt. Dort geht es um 8 Uhr weiter nach London – Ankunft 8.40 Uhr Ortszeit. Zurück startet die „D-AIPE“ um 9.30 Uhr Ortszeit und trifft um 12.05 Uhr auf ihrer Heimatbasis ein. Um 13.05 Uhr hebt sie ab und landet um 15 Uhr in Oslo –zurück in Frankfurt ist sie um 19 Uhr. Um 20.45 Uhr geht es nochmals in die Luft – nach Warschau, wo die Maschine um 22.20 Uhr landet.

Die „Kassel“ ist leiser geworden 

Inzwischen ist die „Kassel“ auch nochmals leiser geworden: Als weltweit erste Fluglinie hat Lufthansa ihre Flugzeuge der Kurz- und Mittelstreckenflotte mit schallreduzierenden Wirbelgeneratoren ausgerüstet. Die Umrüstung der A320-Flotte zählt zu den umfangreichsten Maßnahmen zum aktiven Schallschutz, die Lufthansa bisher durchgeführt hat. Mit Hilfe dieser Wirbelgeneratoren gelingt es, den im Anflug eines Flugzeugs entstehen-den Schall in einer Entfernung von 17 bis zehn Kilometer vom Flughafen um bis zu vier Dezibel zu verringern. Überflugmessungen haben ergeben, dass zwei als besonders störend wahrgenommene Töne mit dem Bauteil komplett beseitigt werden konnten. 

Die Tradition der Taufpatenschaften bei Lufthansa

Die Tradition, Flugzeuge der Lufthansa mit den Namen deutscher Bundesländer und Städte zu versehen, geht auf den September 1960 zurück. Damals gab es in Frankfurt die erste Flugzeugtaufe, als die „Kranichlinie“ ihren allerersten Langstrecken-Jet, die damals moderne Boeing 707, in Dienst stellte. Der vierstrahlige Jet erhielt den Namen „Berlin“. Taufpate war der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt. Seither wurden rund 300 Lufthansa Flugzeuge auf den Namen deutscher Städte und Gemeinden getauft. Auch sämtliche Bundesländer und einige internationale Namen finden sich in der Kranich-Flotte.

Die Taufpatenschaften bei Lufthansa standen von Anfang an unter dem Gedanken, die Verbundenheit zum Heimatstandort Deutschland auch jenseits der großen Drehkreuze und Luftverkehrs-Standorte in die unterschiedlichsten Regionen zu tragen, woher ein Großteil der Lufthansa Passagiere und Mitarbeiter kommt. Die getauften Flugzeuge sind fliegende Botschafter ihrer Heimat und tragen deren Namen buchstäblich in alle Welt. Dass eine solche Patenschaft nach wie vor noch ein begehrtes Gut ist, zeigt die Begeisterung der Passagiere und ein Blick auf die beachtliche Warteliste interessierter Städte. Bei der Vergabe orientiert sich Lufthansa an der historischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung des betreffenden Ortes. Auch Städte, die in besonderer Weise mit der Luftfahrt oder der Lufthansa verbunden sind, finden Berücksichtigung. Die Größe der Stadt spielt dagegen keine Rolle. Allerdings wird bei der Vergabe im Allgemeinen darauf geachtet, dass die Einwohnerzahl der relativen Größe des Flugzeugmusters entspricht. Neben dem Namen der Patenstadt am Bug des Flugzeugs wird auch deren Stadtwappen im Eingangsbereich der Kabine angebracht. 

Taufpatenschaften als Spiegel der Zeit

Die Namensgebungen sind durchaus ein Spiegel der Zeit. So markierten die ersten Taufen gleichzeitig den Start der Lufthansa ins Jet-Zeitalter. Mit der „Berlin“ und der kurz danach getauften „Frankfurt am Main“ wurden die ersten beiden, damals hochmodernen, Boeing 707 eingeführt. Nach dem Fall der Mauer erweiterte sich die Flotte der nach Bundesländern getauften Maschinen von elf auf 16 und rasch fanden auch ostdeutsche Gemeinden Einzug ins Namensregister, sichtbarer Beleg der deutschen Einheit. 

Dabei waren es nicht immer freudige Ereignisse, die zu Auslösern von Städtepatenschaften wurden. Als nach den Anschlägen vom 11. September 2001 plötzlich der gesamte amerikanische Luftraum gesperrt wurde, mussten einige Flüge auf den kanadischen Flughafen Halifax ausweichen, der für einen solchen Ansturm nicht ausgelegt war. Die Einwohner von Halifax und der Nachbargemeinde Gander kümmerten sich damals mit viel Gastfreundschaft um Passagiere und Crews. Daraufhin taufte die Lufthansa als Zeichen der Dankbarkeit erstmals ein Flugzeug auf den Namen ausländischer Orte und gab einem Airbus A340-300 den Namen „Gander/Halifax“.

Mittlerweile ist dies nicht mehr das einzige Flugzeug mit einem internationalen Namen. In einem halben Jahrhundert seit der ersten Taufe hat sich das Geschäft der Lufthansa beträchtlich weiterentwickelt. Eine Tatsache, der nun im Rahmen der Namensgebung der A380 Rechnung getragen wird. Mittlerweile kommen die Passagierströme aus allen Teilen der Welt. Das Merkmal des modernen Luftverkehrs ist Internationalität. Daher tragen die neuen Flaggschiffe der Lufthansa auch die Namen internationaler Metropolen. Der Anfang wurde im September 2010 mit Peking gemacht, Tokio, Johannesburg und andere folgten. Dies ist jedoch keine Abkehr vom Bekenntnis der Lufthansa zu ihrer Heimat. Die Mehrzahl der rund 300 getauften Lufthansa Flugzeuge hat deutsche Städte und Gemeinden als Paten, von Flensburg bis Lindau und von Aachen bis Frankfurt (Oder). Flaggschiff ist dabei ein Airbus A380, der im November 2015 von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Namen „Deutschland“ getauft wurde. Dabei gilt bis heute das Motto: „Einmal Lufthansa, immer Lufthansa“, denn die Patenschaft ist eine dauerhafte Institution. Einmal in den Kreis der Patenstädte aufgenommen, geht der Name auf ein neues Flugzeug über, sobald die ursprünglich getaufte Maschine aus der Lufthansa Flotte ausscheidet. 

Florian Gränzdörffer
Deutsche Lufthansa AG
Media Relations Lufthansa Group

Ingo Happel-Emrich
Magistrat der Stadt Kassel
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit