Cockpit-Briefing: Kein Papier mehr nötig

Bewährt sich die revolutionäre Technologie in der Praxis? Ein groß angelegter Test soll den Nachweis bringen

Am 1. August ist mit der LH634 von Frankfurt nach Kuwait der erste Lufthansa-Flug ohne Papier-Briefingpaket abgehoben. Erstmals nutzten die Piloten allein die Applikation eFF (Electronic Flight Folder) für die gesamte Briefing- und Flugdokumentation.

Beim Briefing in Frankfurt laden sich Kapitän Andreas Ritter und seine Crew das Briefingpaket auf ihre Tablet EFBs (Electronic Flight Bags), führen das Briefing durch und bestellen den für den Flug notwendigen Treibstoff. Alles wie immer – und doch ganz anders: Denn die bislang notwendige Papierdokumentation brauchen sie an diesem Tag nicht. Ihr Flug ist Bestandteil eines groß angelegten Testlaufs bei Lufthansa. Schrittweise wird das digitale Briefingpaket auf fünf Langstrecken-Städtepaaren zur Masterdokumentation. Bewährt sich diese revolutionäre Technologie in der Praxis? Dieser Test soll den Nachweis bringen.

An Bord wird das Briefingpaket auf die im Flugzeug eingebauten EFBs übertragen und für die direkte Flugvorbereitung im Cockpit genutzt. Die Piloten geben die Flugdaten ins Flight-Management-System ein, die Loadsheetzahlen und die Streckenfreigabe werden im eFF notiert.

Auf dem Weg in der Luft nach Kuwait dokumentiert die Crew alle Details elektronisch. Die eFF-Applikation ist eine Eigenentwicklung. Sie wurde im Rahmen des eFlightOps-Projekts in agiler Vorgehensweise programmiert. Heute ist die Applikation dementsprechend exakt auf die etablierten Lufthansa-Verfahren und Systeme abgestimmt. Die Applikation werde nach wie vor weiterentwickelt, wie Heiko Freytag, der gemeinsam mit Sonja Schellenberg das eFlightOps Projekt geleitet hat, betont: „Wir nehmen das Feedback der Piloten auf und arbeiten täglich daran uns weiter zu verbessern.“

Nach der Landung in Kuwait schaltet die Crew den bordeigenen UMTS-Router ein, um eine Datenverbindung aufzubauen, mit dessen Hilfe der eFF automatisch das Briefingpaket für den Weiterflug nach Doha lädt. So stehen alle wichtigen Informationen bereits pünktlich zur Ankunft am Gate zur Verfügung. Nachdem die Abschlussdokumentation des Fluges im eFF erledigt ist, überträgt die Crew das Briefingpaket per Router ins elektronische Archiv. Hier werden alle Dokumente nach den behördlichen Vorschriften für 90 Tage aufbewahrt. Während der Versuchsphase wird vor allem die Vollständigkeit und Qualität der Dokumentation von der Behörde aufmerksam geprüft.

Kaum ist das „alte“ Briefingpaket archiviert, geht es für die Crew nahtlos mit dem neuen Briefingpaket und der Vorbereitung für den Flug nach Doha weiter. Dass die Unterlagen so gut verfügbar sind, wird vor allem für die Einführung des papierlosen Briefings auf der Kurzstrecke höchste Bedeutung haben. Deshalb stellen die Stationsmitarbeiter alle Daten parallel und als Backup auch auf einem USB-Stick zur Verfügung.

Der Testlauf umfasst neben Frankfurt–Kuwait–Doha die Verbindungen Frankfurt–Tokio, Frankfurt-Denver, Frankfurt–Bogota, München–Boston und Frankfurt–Lagos. Gegen Ende Oktober sollen die Auswertungen des Tests vorliegen.