Dem Traum ganz nah

Bewerbungsmarathon beim Lufthansa-Flugbegleiter-Casting in Mainz

Samstag 2. Juli, 9.30 Uhr. Regentropfen platschen auf den roten Teppich, der vor dem Eingang des Hyatt-Hotels in der Mainzer Innenstadt ausgerollt ist. Etwa zwei Dutzend junge Frauen stehen Schlange. Unter den Regenschirmen sieht man geglättete Pferdeschwänze, schwarze Hosenanzüge, gelassene Blicke. Star-Alarm in der Landeshauptstadt? Nein, Flugbegleiter-Casting von Lufthansa.

Zwar geht es offiziell erst um 10 Uhr los. Doch die Interessenten schlängeln sich bereits seit dem frühen Morgen vor dem Eingang. Um zu prüfen, ob sie die Grundvoraussetzungen für eine Ausbildung zum Flugbegleiter erfüllen, registrieren sie sich zunächst bei einem der Lufthansa-Mitarbeiter am Eingang. „Welche Schulbildung haben Sie?“ - „Besitzen Sie einen gültigen Reisepass?“ - „Haben Sie sichtbare Piercings oder Tattoos?“ Jeder Flugbegleiter in spe muss zunächst einen Fragebogen ausfüllen. Und das dauert eben eine Weile.
Im Foyer der Hotellobby ist eine Bewerberin bereits ein paar Schritte weiter. „Ich dachte mir schon, dass es einen Ansturm geben wird, daher bin ich extra früh aufgestanden“, sagt die Wahl-Frankfurterin. Flugbegleiterin zu werden, das sei ihr „ganz großer Traum“. Noch nie war sie diesem Traum so nah wie heute. Das Casting-Konzept gefällt ihr gut. In dieser Umgebung sei sie „lockerer, authentischer“ und knüpfe schneller Kontakte. „Ich hatte eigentlich gehofft, das würde mir ein bisschen die Nervosität nehmen. Aber klar bin ich aufgeregt – und wie.“

In der Hotel-Lobby begrüßt eine Lufthansa-Purserin mit einem freundlichen Lächeln den ersten Bewerberschwung. Gleich geht’s für jeden zum Prescreening. Doch vorher heißt es für die Bewerberinnen und Bewerber erst einmal wieder: warten. Direkt neben der Gruppe die regenfeuchten Registrierungsbögen sortiert. Psychologen, Flugbegleiter, viele von ihnen in nostalgischen Uniformen, aber auch Büromitarbeiter: Insgesamt 48 Lufthansa-Mitarbeiter sind in Mainz im Einsatz und sorgen dafür, dass der Laden läuft.

Überraschungsbesuch Personalvorstand Bettina Volkens macht sich ein Bild von der Lage beim Flugbgleitercasting in Mainz. Die Stimmung sei "einfach großartig", sagt sie.

Nächster Schritt Prescreening: In einer ruhigen Ecke führt ein Lufthansa-Personaler ein erstes Kennenlern-Interview. Nur wer das meistert, kommt in die nächste Runde. Das Zehn-Minuten-Gespräch findet größtenteils auf Englisch statt. Wenn diese erste Hürde gemeistert wurde, kommt der härteste Teil noch: das Vorstellungsgespräch beim Recruiter. Was sind Ihre Hauptmotive, den Beruf der Flugbegleiterin ausüben zu wollen? Was machen Sie, wenn es mal nicht rund läuft? Und wie reagieren Sie in einem Konflikt? Im Vorstellungsgespräch und bei einem Rollenspiel will ein Psychologe die Kandidatinnen und Kandidaten noch genauer kennenlernen.

Und dann heißt es noch mal Warten bis es hoffentlich heißt: „Herzlichen Glückwunsch und willkommen an Bord!“