Eurowings Group: Entwicklung in drei Phasen

Garnadt beschreibt Entwicklung der Eurowings Group in drei Phasen. Nach dem Turnaround ist Eurowings zurzeit in der Phase der ‚schweren Hausaufgaben‘.

Karl Ulrich Garnadt, Vorstandsmitglied Ressort Eurowings und Aviation Services, hat zusammen mit der Geschäftsführung der Eurowings am 10. Juni 2016 die Strategie des Unternehmens im Rahmen einer Expert Session in London vorgestellt. Es war die erste Vorstellung der neuen Eurowings am wichtigsten Finanzplatz Europas. Ziel der Präsentation: die Eurowings-Strategie im persönlichen Kontakt mit Investoren zu vermitteln. Damit soll das Vertrauen in die Eurowings Group gestärkt werden und zu einer positiven Einschätzung über die Entwicklung der Lufthansa Group insgesamt beitragen.

Der Ausbau der deutschen Flugbetriebe Germanwings und Eurowings zu einem europaweit führenden Anbieter preisgünstiger Direktflüge sei ein Schlüsselprojekt der Lufthansa Group, betonte Karl Ulrich Garnadt, der als Konzernvorstand die strategische Entwicklung der Eurowings verantwortet. Kunden orientierten sich bei einer Flugbuchung heute vor allem an zwei Kriterien: An günstigen Ticketpreisen (Priorität 1) sowie an direkten Verbindungen ohne Umstieg. Eurowings bediene diesen stärksten Trend im Markt, sei damit exzellent positioniert und in der Lage europaweit zu wachsen.

Die Entwicklung der Eurowings Group beschrieb Garnadt in drei Phasen.

Phase 1: die Turnaround-Phase

Germanwings hat einstige Verluste der Lufthansa im dezentralen Europaverkehr von mehr als 200 Millionen Euro wettgemacht. 2015 erreichte die Lufthansa-Tochter erstmals schwarze Zahlen, wenn auch begünstigt durch stark gesunkene Kerosinkosten. Der gelungene Turnaround sei ein entscheidendes Signal gewesen, das Modell einer qualitätsorientierten Point-to-Point Airline über Deutschland hinaus auszubauen. Damit sollen Größenvorteile erzielt und Marktpositionen gegen europaweit aufgestellte Wettbewerber verbessert werden.

Phase 2: ‘schwere Hausaufgaben’

Als Phase der ‘schweren Hausaufgaben’ beschreibt Garnadt die Situation, in der sich das Unternehmen zurzeit befindet. Unstrittig ist, dass Flugbetriebe wie Germanwings (61 Flugzeuge) und Eurowings (23 Flugzeuge) zu klein sind, um dauerhaft gegen aggressiv wachsende Branchenführer wie Ryanair (aktuell 327 Flugzeuge) bestehen zu können. Das interne Zusammenwachsen ist nötig, aber unbequem, weil verbunden mit Umflottungen, Umzügen, Unsicherheit etc. Ein wichtiges Ziel sei dabei, für die Mitarbeiter aller Berufsgruppen und Einheiten eine Perspektive in der neuen Eurowings zu schaffen, sagte Garnadt. Zu Phase 2 gehört auch der Aufbau einer zentralen Airline-Management-Organisation, die die Flugbetriebe in Köln, Düsseldorf, Wien etc. fortan schlank und aus einer Hand steuert. Die Betriebsübergänge zahlreicher Mitarbeiter in diese neue Gesellschaft Eurowings Aviation finden in diesem Sommer statt.

Phase 3: das Wachstum über deutsche Stationen hinaus

Die erste Auslandsbasis der Eurowings Europe in Wien hat in der Vorwoche ihr eigenständiges AOC erhalten und damit einen wichtigen Meilenstein erreicht. Der neu aufgebaute Flugbetrieb wird ab 29. Juni mit fabrikneuen Eurowings-Airbus A320 abheben und im kommenden Winterflugplan bereits 16 Destinationen ab Wien bedienen. Auch andere Airlines zeigen Interesse, sich an das Wachstums-Modell unter einem europäischen Eurowings-Dach anzudocken. Auf die Frage von Analysten, wann erste Partnerschaften anstünden, blieb Garnadt vorsichtig: „Wir haben die Lage gründlich analysiert und ein klares Bild, wie es im Markt aussieht. Ja, es gibt Interessenten, aber keine Entscheidungen.”

Nach der Aufbauphase mit hohen Projektkosten sowie Anlaufkosten für den Start der Low-Cost-Langstrecke werde Eurowings ab 2017 wieder schwarze Zahlen schreiben, sagte Jörg Beissel, Geschäftsführer Finanzen. Oliver Wagner, der das kommerzielle Geschäft der Eurowings verantwortet, gab einen Überblick über die kommerzielle Strategie der Airline. Neue Produkte und Services, neue Flugzeuge und neue Management-Teams: Es sei zwar sehr anspruchsvoll, diese vielen Projekte parallel voranzutreiben. Eurowings komme in vielen Bereichen aber gut und schnell voran, etwa bei der Steigerung der Markenbekanntheit oder der Harmonisierung der Europa-Flotte auf die A320-Familie. Wagner: „Unser Team leistet hervorragende Arbeit in einem harten Wettbewerbsumfeld. Wir sind überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.”

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