Der letzte „Bobby“ sagt „Bye-bye Schönefeld“

Ende einer 25jährigen Ära am Lufthansa Technik-Standort Berlin 

Es war ein Abschied in allen Ehren. Zwei Einsatzfahrzeuge der Flughafenfeuerwehr spritzten eine Salut-Fontäne, und die „Weiden in der Oberpfalz“ alias „Echo-Foxtrott“ entschwand nach einem sportlichen „Low-Pass“ über der Runway am nachmittäglichen Berliner Himmel in Richtung Frankfurt: Der Abschluss der letzten Liegezeit einer Boeing 737 in der Wartungshalle der Lufthansa Technik  in Berlin-Schönefeld bedeutete zugleich das Ende einer luftfahrttechnischen Ära, die vor gut einem Vierteljahrhundert begann.

Am 1. März 1991 – wenige Monate nach der Übernahme des Wartungsbetriebs der DDR-Fluglinie Interflug durch die Lufthansa Technik – rollte erstmals eine Boeing 737-200 für einen D-Check in die für rund 20 Millionen DM komplett umgebaute und modernisierte Wartungshalle am Flughafen Schönefeld. Es folgten in den vergangenen 25 Jahren insgesamt 1341 Liegezeiten des Flugzeugmusters Boeing 737, etwa je zur Hälfte von Kurzstreckenjets der Lufthansa und von Fremdkunden. 

Mit der Boeing 737 hatte kurz nach der Wende eine Erfolgsgeschichte begonnen: Der Bobby war der erste westliche Flugzeugtyp, auf den die mehr als 400 von der Lufthansa Technik übernommenen ehemaligen Interflug-Techniker und Flugzeugmechaniker umgeschult wurden. Bereits im Sommer 1991 wurde ein zweites Dock in Betrieb genommen, und nicht einmal anderthalb Jahre nach der ersten Flugzeugüberholung lieferte die neue Überholungsbasis in Schönefeld ihr 100. Flugzeug ab. Kurz zuvor hatte Lufthansa den Berlinern die Überholungs-verantwortung für alle ihre Boeing 737 übertragen – und damit für die damals größte Teilflotte des Konzerns. 

Die hervorragende Qualität der Arbeiten und die pünktliche Ablieferung der überholten Jets in der Schönefelder Werft sprach sich in der Branche schnell herum, so dass neben dem Mutterkonzern Lufthansa zunehmend auch andere Airlines aus dem In- und Ausland ihre Flugzeuge dem Schönefelder Lufthansa Technik-Team anvertrauten. Schon bald reichte die Kapazität des 8.000 Quadratmeter großen Hangars mit seinen zwei Docks nicht mehr aus, und eine Erweiterung wurde nötig. Mittlerweile war der Betrieb etwa zur Hälfte mit Fremdaufträgen diverser deutscher und asiatischer Airlines ausgelastet.

Wohl nie zuvor haben Flugzeugmechanikern und –technikern so viele Zuschauer auf die Finger geschaut wie im Juni 2008 beim tausendsten Base Maintenance Check in Schönefeld. Die Wartungsarbeiten fanden während der ILA Berlin Air Show bei offenen Hallentoren statt, und tausende ILA-Besucher nutzten die Gelegenheit zu einem Blick hinter die Kulissen der Lufthansa Technik. 

Heute ist Schönefeld nach Hamburg, Frankfurt und München der viertgrößte Lufthansa Technik-Standort in Deutschland. Die 25jährige Geschichte dieses Lufthansa Technik-Standorts ist eine Geschichte der dauernden Veränderung. Der Erfolg des Schönefelder Teams gründet auf seiner Fähigkeit, sich in der rasch wandelnden Luftfahrtbranche immer wieder auf neue Technologien, auf das sich wandelnde Marktumfeld und heterogene, sich verändernde Kundenbedürfnisse einzustellen. Dazu gehörte auch der Abbau des letzten Docks für die Wartungsarbeiten an der Boeing 737 nach Vollendung des letzten C-Checks: Es wurde abgebaut und durch ein A320-Dock ersetzt. 

Auch für die Zukunft am BER ist vorgesorgt: Bei der Lufthansa Technik ist die grundsätzliche Entscheidung, die Präsenz an Deutschlands zukünftig drittgrößtem Flughafen unvermindert aufrechtzuerhalten, bereits gefallen. Über Art und Umfang der künftig erforderlichen Betriebsstätten gibt es laufende Gespräche zwischen der Lufthansa Technik und der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg.