Lufthansa und UFO vereinbaren langfristigen Tariffrieden

Beide Tarifpartner nehmen Empfehlung des Schlichters Matthias Platzeck an:

  • Neues System zur Alters- und Übergangsversorgung / Laufzeit bis Ende 2023
  • Vergütungserhöhung zum 1. Oktober 2016 um 1 Prozent sowie um weitere 2 Prozent ab 1. Januar 2018 / Laufzeit bis 30. Juni 2019
  • Neue, qualifikationsabhängige Vergütungsstruktur 
  • Kostenmonitoring bis 2023, um Stückkostensenkung nachhaltig sicherzustellen 
  • Konfliktlösungsmechanismen bis 2023
  • Beschäftigungsgarantie für alle Kabinenmitarbeiter bis 2021

Lufthansa und die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) haben am 5. Juli in Berlin erklärt, dass sie die Schichtungsempfehlung des ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck annehmen. Zuvor hatten die Tarifpartner rund ein halbes Jahr über alle offenen Tarifverträge sowie zahlreiche weitere Themen verhandelt. „Für Lufthansa und gleichermaßen für alle Kolleginnen und Kollegen der Kabine war es enorm wichtig, dass wir eine umfassende Einigung erzielt haben und so für die kommenden Jahre den Tariffrieden in der Kabine gesichert haben“, sagt Dr. Bettina Volkens, Vorstand Personal und Recht der Deutschen Lufthansa AG. „Insbesondere das neue System zur Alters- und Übergangsversorgung ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung unserer Zukunftsfähigkeit. Gleichzeitig bieten wir weiter ein attraktives Paket für unsere Mitarbeiter“, so Volkens weiter. 

Die Schlichtungsvereinbarung im Einzelnen: 

Langfristiger Tariffrieden
Der Vergütungstarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 30. Juni 2019, die Tarifverträge zur Alters- und Übergangsversorgung bis 2023. Darüber hinaus haben die Tarifpartner bis 2023 verschiedene Konfliktlösungsmechanismen vereinbart. So kann das Unternehmen zum Beispiel bei einem angekündigten Vollstreik einen Schlichter anrufen und einen möglichen Arbeitskampf in einen verpflichtenden Schlichtungsprozess überführen. 

Alters- und Übergangsversorgung
Lufthansa und UFO haben sich auf ein neues System der Alters- und Übergangsversorgung geeinigt. Damit kann der Konzern für die zweitgrößte Mitarbeitergruppe von einem Defined-Benefit-System auf ein Defined-Contribution-System umstellen. Im November hatte sich Lufthansa bereits mit Verdi für die Bodenmitarbeiter auf den Einstieg in ein Defined-Contribution-System geeinigt. Durch diesen Wechsel – von einer festen Leistungszusage bei der Altersversorgung hin zu einem festen Beitrag, der sich dann am Kapitalmarkt verzinst – kann das Unternehmen die Kosten und Risiken für die Versorgung senken. Lufthansa leistet für die Altersversorgung der Kabinenmitarbeiter zukünftig einen Gesamtbeitrag in Höhe von 5,2 Prozent des versorgungsfähigen Gehalts. Dies entspricht dem Wert, der auch für die Bodenmitarbeiter des Konzerns geleistet wird. Die zum Zeitpunkt der Umstellung auf das Defined-Contribution-System erworbenen Ansprüche der Mitarbeiter in der betrieblichen Altersversorgung bleiben vollständig erhalten.

Das neue System sieht vor, dass Kabinenmitarbeiter weiter ab dem 55. Lebensjahr aus dem Flugdienst ausscheiden können. Neu eingestellte Mitarbeiter erhalten für die ersten fünf Jahre keine Beiträge zur Alters- und Übergangsversorgung, es sei denn, sie absolvieren eine spezifische Ausbildung auf Bachelorniveau. Ohne diese Ausbildung erhalten neue Mitarbeiter auch nach fünf Jahren keine Übergangsversorgung. Zukünftig können Mitarbeiter die nicht in Anspruch genommene Übergangsversorgung nutzen, um das Leistungsniveau ihrer betrieblichen Altersversorgung zu erhöhen. Eine Absicherung aller Mitarbeiter für den Fall einer dauerhaften Flugdienstuntauglichkeit bleibt erhalten. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 10 Jahren ab dem 1.Januar .2014. 

Vergütung
Die rund 19.000 Kabinenmitarbeiter erhalten vom 1. Oktober 2016 an eine Vergütungserhöhung von einem Prozent und weitere zwei Prozent ab dem 1. Januar 2018. Der Vergütungstarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 30. Juni 2019. 

Vergütungsstruktur
Lufthansa und UFO haben sich auf eine neue, qualifikationsabhängige Vergütungsstruktur für die Kabinenmitarbeiter verständigt. Das Unternehmen wird in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer eine achtzehnmonatige Ausbildung auf Bachelorniveau anbieten. Dadurch kann Lufthansa das hohe Qualifikations- und Serviceniveau ihrer Mitarbeiter in der Kabine noch weiter steigern. Nur Flugbegleiter, die diese Ausbildung absolviert haben, können zukünftig Vergütungsstufen oberhalb der Stufe acht erreichen, welche einer Grundvergütung von rund 2.150 Euro pro Monat entspricht. 

Nachhaltige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch Kostenmonitoring
Lufthansa und UFO haben gemeinsam einen Zielkorridor für die Personalkosten in der Kabine definiert. So sollen die Personalkosten pro Blockstunde um rund zehn Prozent gegenüber der prognostizierten Entwicklung gesenkt werden. 

Beschäftigungsgarantie
Bis 2021 besteht eine Beschäftigungsgarantie für alle Kabinenmitarbeiter von Lufthansa, da das Unternehmen betriebsbedingte Beendigungskündigungen für die Dauer von fünf Jahren ausschließt. Bis 2023 wurde zudem vereinbart, dass Lufthansa Flugzeuge nicht mit Fremdpersonal in der Kabine bereedert werden dürfen. Ohnehin bietet Lufthansa gute Arbeitsplatzperspektiven in der Kabine. Bereits im Januar hatte das Unternehmen angekündigt, in diesem Jahr 1.400 neue Flugbegleiter einzustellen.

„Wir danken Matthias Platzeck für seine Unterstützung. Gemeinsam mit ihm und UFO ist es uns gelungen, abseits der Öffentlichkeit eine Lösung am Tariftisch zu erreichen“, so Volkens. „Wir haben hart um eine Einigung gerungen, bei der beide Seiten Abstriche von ihren ursprünglichen Positionen machen mussten. Der jetzt vorgelegte Kompromiss zeigt, dass sich dieser Weg gelohnt hat.“ 

„Herrn Platzeck ist der Kunstgriff gelungen, unsere unterschiedlichen Interessen auf bestmögliche Art zu verheiraten: Lufthansa bekommt wirtschaftliche und politische Sicherheit, ohne dem einzelnen Mitarbeiter an irgendeiner Stelle etwas wegzunehmen“, sagt Nicoley Baublies, Verhandlungsführer auf Gewerkschaftsseite.

„Die Möglichkeit zum wirtschaftlichen Wachstum des Unternehmens, wie auch die Wahrung der individuellen Rechte und auskömmlichen Bedingungen des Flugbegleitpersonals sind die Grundfeste, auf denen das Schlichtungsergebnis beruht. Ich bin beiden Parteien sehr dankbar, dass sie sich im Verlauf der Verhandlungen immer weiter angenähert und Vertrauen zueinander gefasst haben. Wichtige Voraussetzung für beiden Seiten war, sich wirklich frei von Vorurteilen auf die jeweiligen Beweggründe in der Argumentation des Gegenübers einzulassen. Für die Zukunft wurden Handlungsmechanismen besprochen, die im Geiste des Vertrauens vor erneuten Verhärtungen schützen sollen, um Belastungen von Kunden, Mitarbeiterschaft und Aktionären fernzuhalten“, betont Matthias Platzeck, Ministerpräsident des Landes Brandenburg a.D.

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